Kritische Edition der Tagebücher

By 29 April, 2016 Texte

8.6.1941 – José Antonio Agirre Lekube im Garten seines Hauses.
Ⓒ Sabino Arana Fundazioa

Die vorliegende kritische Edition der originalen Tagebücher des Lehendakari José Antonio Agirre wurden 2010 von Iñaki Goiogana, Historiker und Archivar der Sabino Arana Fundazioa, erstellt.

Die vollständigen Werke Agirres, fotografisches und phonografisches Material sowie Einführungen zum Thema sind auf www.lehendakariagirre.eu auf Baskisch, Spanisch, Englisch und Französisch verfügbar. Die Seite wird von der Sabino Arana Fundazioa geleitet und ist die umfangreichste Informationsquelle zu der Person des Lehendakari Agirre.

Die kritische Edition der Tagebücher und Agirres Werk De Gernika a Nueva York, pasando por Berlín sind das Kernstück des Projekts Agirre in Berlin 1941-2016. Beide Texte bildeten die Grundlage für die Karte, die Agirres Aufenthalt in Berlin widerspiegelt und lassen darüber hinaus eine persönliche, wenn auch nur beispielhafte, Sicht auf das Leben und Erbe des ersten baskischen Lehendakari zu.

Der Historiker und Journalist Ingo Niebel hat die deutsche Übersetzung der von Goiogana editierten Tagebücher angefertigt.

AL50

// Anmerkung des Übersetzers

Die folgende Übersetzung des Tagebuchs des baskischen Präsidenten (bask. Titel: Lehendakari) José Antonio Agirre basiert auf der kommentierten Transkription, die Iñaki Goiogana für die Faksimile-Ausgabe desselben anfertigte. Letztere umfasst insgesamt fünf Taschenkalender aus dem Zeitraum Januar 1941 bis Mai 1942. Die Sabino Arana Fundazioa (SAF) veröffentlichte sie 2010 anläßlich von Agirres 50. Todestag in gedruckter Form und digital auf der Internetseite www.lehendakariagirre.eu.[1] Dort stehen auch weitere Texte von Agirre zum Download bereit.

Anläßlich des 75. Jahrestages seiner erfolgreichen Flucht unter falscher Identität durch Hitlers Reich nach Schweden im Frühjahr 1941 gab der Gernika Deutsch-Baskischer Kulturverein e.V. – Euskal Etxea Berlin die Übersetzung der Einträge vom 7. Januar bis 23. Mai 1941 in Auftrag.

Die Fußnoten und Anmerkungen im deutschen Text stammen von Goiogana, wenn sie in eckigen Klammern stehen und nicht die Abkürzung Anm.d.Ü. tragen. Den Text in runden Klammern hat Agirre verfasst.

Da diese Übersetzung ein deutschsprachiges Publikum im Fokus hat, musste ich einige Anmerkungen zum besseren Verständnis direkt in den Text einfügen. Sie sind entsprechend gekennzeichnet. Das betrifft vor allem jene Passagen, in denen Agirre baskische Worte benutzte.

Da Goioganas Erläuterungen in den Fußnoten sich primär an ein baskisch-/spanischsprachiges Publikum richten bzw. auf Seiten seiner Transkription verweisen, die nicht zu dieser Übersetzung gehören, erfuhren auch diese eine entsprechende Anpassung oder Kürzung.

Ein weiterer Unterschied zur o.g. Transkription liegt darin, dass, soweit möglich, Agirres falsche Schreibweise von deutschen Eigenamen korrigiert wurde. Der baskische Präsident sprach zwar Baskisch, Spanisch und Französisch, aber kein Deutsch. Deshalb schrieb er viele deutsche Namen dem Klang nach nieder. Nicht alle konnte ich eindeutig identifizieren und korrigieren. Im Zweifelsfall gilt die von der SAF herausgegebene Transkription mit den Faksimile.

Diese Publikation ergänzt Agirres autobiographisches Werk „De Guernica a Nueva York pasando por Berlín“ (Von Guernica über Berlin nach New York). Es liegt mittlerweile in mehreren Druckausgaben (auch auf Englisch) vor und kann als PDF von der o.g. Webseite der Stiftung heruntergeladen werden.

In seiner Transkription zitiert Goiogana mehrfach aus aus dem Werk. In diesen Fällen entstammt  der deutsche Text der Übersetzung des Kapitels „Diario del Doctor Álvarez en Alemania“, die Dr. Christine Paasch-Kaiser für den Gernika Deutsch-Baskischen Kulturverein e.V. – Euskal Etxea Berlin erstellt hat.

Bei der Übersetzung der Transkription ergab sich die Schwierigkeit, einen Mittelweg zwischen Wahrung des Originals und Lesbarkeit zu finden. Die Monotonie seines Daseins als Flüchtling, der monatelang auf seine Ausreisepapiere warten und nicht zuletzt um die Familie bangen muss, drückt sich nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in immer wieder gleichlautenden Floskeln aus. An einigen Stellen ist die Verständlichkeit schwierig, weil das Original unklar ist. Das gehört aber zu den Charakteristika von Tagebüchern, die in den seltensten Fälle redigierten Text enthalten.

Da Basken sich als solche nur über den Gebrauch ihrer Sprache definieren (können), habe ich im deutschen Text die baskischen Worte belassen und mit entsprechenden Anmerkungen versehen. Die Personen- und Ortsnamen gebe ich entsprechend der Transkription wieder, es sei denn, Fehler waren offensichtlich. Bei Agirre handelt es sich um die baskische Schreibweise, die er auch selbst benutzte.

Diese Ausführungen gelten auch für die Übersetzung der biographischen Skizze, die Iñaki Goiogana über José Antonio Agirre verfasst hat.

Unai Lauzirika und Christian Hahne von der Universität Leipzig danke ich fürs Korrekturlesen und für die Hilfe beim Klären von Detailfragen.

Für die deutsche Übersetzung der beiden Texte übernehme ich die Verantwortung.

Dr. Ingo Niebel

[1]    Sabino Arana Fundazioa, Hrsg. José Antonio Agirre Lekube. Diario 1941-1941. Bilbo: SAF, 2010.

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